14.08.2010
Wer hat Angst vorm Schwarzen Mann?
Kennt jemand dieses Kinderspiel? Zuerst stehen sich mehrere Kinder und ein Kind gegenüber und rennen dann aufeinander los. Das eine Kind soll hierbei den Schwarzen Mann spielen und die anderen Kinder abklatschen. Kinder, welche vom Schwarzen Mann erwischt wurden, müssen nun auch mithelfen, die restlichen Kinder einzufangen.
So weit, so gut.
Momentan wird Googles Street View als Schwarzer Mann gebrandmarkt und (fast) jeder stimmt ein Klagelied an, wie furchtbar schlimm doch dieses Veröffentlichen von Straßenzügen im Internet wäre. Nachdem Google mit der Information vorgeprescht ist, noch dieses Jahr Street View Deutschland online zu stellen, ist Hektik bei der Bundesregierung angesagt. Nachdem sich ettliche Politiker in den unverdienten Urlaub verabschiedet haben, müssen sie nun eifrig SMS und eMails mit ihren Ministerien hin- und herschreiben und eifrig kundtun, dass dies doch überhaupt nicht gehe. Mein Straßenzug, sogar mein Haus im Internet? Undenkbar! Das geht gar nicht.
Ähnlich (und das find ich schade, denn ich bin selber einer) äußern sich auch Deutschlands Datenschutzbeauftragte. Google würde gegen den Datenschutz verstoßen. Man fühlt sich übergangen, da Google einfach so vorgeprescht ist. Ohne irgendjemandem vorab davon zu erzählen.
Nun... wieso hätte Google dies auch tun müssen?
Betrachten wir die Sache nüchtern: Was ist passiert?
Google hat mit Kameras bestückte Autos durch Deutschlands Städte und Dörfer geschickt und alles, was jeder normale Mensch auch von der Straße aus sehen kann, fotografiert. Und nur dies wird veröffentlich. Es wurde etwas fotografiert - und irgendwann mal im Internet veröffentlicht - was sowieso jeder Mensch sehen kann (sofern er sich die Mühe macht und sich in diese Straße begibt). Ganz wichtig: die Persönlichkeitsrechte werden von Google hierbei sehr wohl respektiert. Personen, welche versehentlich mitfotografiert wurden, werden unkenntlich gemacht. Autokennzeichen werden entfernt. Wo ist also das Problem? Besteht die Gefahr, dass Einbrecher sich über Street View Informationen über Häuser einholen - und dann dort einbrechen? Diese Möglichkeiten besteht auch jetzt schon. Denn wie könnte verhindert werden, dass nicht irgendwelche Personen sich in meine Straße stellen, die Häuser beobachtet und fotografieren? Muss ich jetzt alle Japaner, welche mit Kameras bewaffnet durch meine Straße laufen, darauf aufmerksam machen, dass sie mein Haus nicht fotografieren dürfen?
Es ist blanker Unsinn! Zudem hat die Street View Problematik nichts mit Datenschutz zu tun. Beim Datenschutz geht es um personenbezogene Daten. Diese werden in Street View entweder unkenntlich gemacht (unkenntlich machen von Personen und KFZ-Kennzeichen) und sind schlicht und ergreifend nicht davon betroffen.
Die ersten Politiker melden, sie würden bei Google Widerspruch einlegen und wollen dadurch erreichen, dass ihr gesamtes Haus unkenntlich gemacht wird. Hoffentlich wird Google gerade bei diesen Personen NICHTS verpixeln oder unkenntlich machen. Die, die jetzt die Klappe am meisten aufreißen, sollten ganz ganz leise sein. Ich sage nur Vorratsdatenspeicherung, ELENA, Bundestrojaner und SWIFT. Die größten Datensammler, die größten Datenschutzverbrecher beschweren sich über Googles Street View, welches die Rechte der deutschen Bevölkerung mehr respektiert, als so mancher deutsche Politiker. |